Interview der Journalistin Vivienne Klimke mit der Künstlerin Katharina Rücker-Weininger anlässlich ihrer Kabinettsausstellung „Greifvögel“ im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum München, die noch bis 6. März 2016 zu sehen ist

 

Liebe Frau Rücker-Weininger, in Ihrer Ausstellung „Greifvögel“, die im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München läuft und gerade bis 6. März verlängert wurde, zeigen Sie naturalistische Porträts dieser Tiere, teils in ihren ursprünglichen Lebensräumen. Wie gelangen Sie an diese Porträts?

 

Natürlich kann ich nicht am Adlerhorst sitzen und auf einem Felsvorsprung balancierend meine Aquarelle malen. Das ist auch nicht mein Ansatz! Aber jeden Vogel in dieser Ausstellung gibt es wirklich. Den Steinadler zum Beispiel habe ich bei einem vorbildlichen Falkner kennenlernen und beobachten dürfen. Er hatte beste Lebensumstände, und Falknereien haben ihre Daseinsberechtigung, ohne Zweifel! Aber trotzdem wollte ich ihn hoch oben in den wild zerklüfteten Nebelbergen sehen und nicht hier unten in einer Voliere. Und so habe ich ihn dann gemalt.


Sie sind Tierschützerin und auch in der Deutschen Umwelthilfe engagiert. Und sie haben mal gesagt, ihr Wunsch sei es, den Tieren mit den Bildern ihre Freiheit wieder zu geben. Wie meinen Sie das?


Das geht auf ein Erlebnis vor vielen Jahren zurück. Ich wollte für eine Ausstellung einen Braunbär malen, also ging ich in einen Zoo, um ein lebendes Modell zu suchen, da ich nicht nach fremden Photos male. Der Alte, so nannte ich auch sein Portrait, stand „webend“ hinter Gittern, er zeigte die gleiche Verhaltensauffälligkeit wie Pferde, die lebenslang in Boxen gehalten werden. Er schwang seinen mächtigen Schädel in einem eintönigen Rhythmus immer hin und her, das Auge trüb, blind, ein Anblick, der mir schier das Herz zerriss. Ich machte Photos von ihm, obwohl ich mich dafür schämte. Zuhause im Atelier arbeitete ich wie bei meinen Porträts üblich zuerst an den Augen, aber es funktionierte nicht. Ich merkte, dass ich in seinem Fall ein ganz neues Vorgehen brauchte. Ich malte wilde Landschaft um ihn herum, Büsche, Bäume, Erde, Gras, ich spürte, wie ein Windstoß sein Fell kräuselte, und erst dann begann ich mit seinem Gesicht. Und da wurden die Augen plötzlich groß und klar, die Haltung aufrecht, der Blick stolz und zufrieden. Jeden Vogel in dieser Ausstellung gibt es wirklich, jeder ist eine echte „Person“ mit dem Recht so zu leben, wie es ihm ursprünglich bestimmt war. By the way: in der Antike bezeichnete man die Maske, die die Schauspieler im Theater trugen, als „Persona“, das kommt vom lateinischen personare, was soviel heißt, wie hindurchtönen. In diesem Zusammenhang ein interessanter Gedanke, nicht wahr?

 

In einem Ihrer Werk findet sich eine Maus unversehens ihrem Todfeind, dem Falken, gegenüber. Ist ein Titel wie „Die Mutprobe“ dafür nicht vermenschlichend?

 

Es ist nicht die Maus, die eine Mutprobe ablegt, weil sie sich dem Falken nähert, nein, in diesem Fall ist es der Falke, der all seinen Mut zusammenkratzen muss, um die Nähe der Maus zu ertragen! Auch diesen Vogel habe ich persönlich kennenlernen dürfen und ausführlich beobachtet. Er war, wie mir der Falkner erklärte, durch Fehlprägung durch den Vorbesitzer sehr unsicher und ängstlich geworden. Er kannte nichts, hatte vor allem Angst und bettelte ständig um Futter. Nur in absoluter Dunkelheit verstummte sein Geschrei, und er kam zur Ruhe. Ich stellte ihn mir vor, wie er reagieren würde, wenn sich ihm eine Maus nähert, ein Tier, das er ja nicht kennt. Bestimmt panisch! Und dann stellte ich ihn mir vor, wenn er frei geboren worden wäre und ganz seinen Instinkten entsprechend handeln könnte, statt durch menschliches Versagen verbildet zu sein. Also malte ich ihn für „Die Mutprobe“ in ruhiger Würde.

 

Ihre Werke bestehen vor allem in Porträts, manchmal von Menschen, aber überwiegend von Tieren. Das erinnert an die Künstler des 19. Jahrhunderts, die sich stark der Natur zuwandten und phasenweise versuchten, diese detailgetreu aufs Papier zu bannen. Sehen Sie sich in dieser Tradition?

 

Nein, nicht wirklich, denn dann wären meine Bilder nur eine detailgetreue Wiedergabe der Photos, also ein Abmalen der Natur, dann hätte mein Werk in meinen Augen keine Berechtigung sich Kunst zu nennen, dann könnte man ja gleich das Photo an die Wand hängen. Ich sehe meine Arbeit in der Tradition des magischen Realismus, denn ich nehme zwar Motive aus der Natur, verändere sie aber soweit, dass sie meiner Wirklichkeit und meinen Träumen entsprechen.


Was sehen Sie im Tier?

 

Tiere sind mir Spiegel und Lehrmeister. Es ist faszinierend, wieviel klarer und ehrlicher die Tiere miteinander umgehen. Ich achte und schätze jedes einzelne von ihnen. Anders als wir Menschen, die wir ständig nach Vorteil und Besitz streben und uns mit Hybris als Krone der Schöpfung sehen. Ich glaube tatsächlich, es gibt klügere und weisere Arten auf dieser Welt.


Anders als viele Künstler, die Porträts in Acryl, Pastell oder Öl erstellen, haben Sie die Aquarellmalerei zu ihrer bevorzugten gemacht. Warum?

 

Ein Portrait zu aquarellieren, gehört zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Aufgaben in der Malerei, denn kaum etwas kann korrigiert werden, jeder Pinselstrich ist und bleibt sichtbar. Dies verlangt höchste Disziplin und Konzentration! Ich komponiere jedes Bild vorab im Kopf und mache eine Skizze, um die Idee visuell zu überprüfen. Am Aquarell selbst arbeite ich aber nur mit minimaler Vorzeichnung, das male ich fast komplett mit dem Pinsel. Diese Arbeit ist schwierig, anstrengend und kostet mich viel Kraft. Und ich liebe sie.

Ich bin Katharina Rücker-Weininger – Illustratorin, Portraitmalerin und Graphikerin. Herzlich willkommen in meinem Portfolio! Ich freue mich auf Ihre Anfrage: KONTAKT

Mehr über meine Malerei erfahren Sie im INTERVIEW und unter AKTUELLES

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